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Termin Informationen:

  • Mi
    14
    Aug
    2019

    Vortrag: 100 Jahre Abschiebehaft

    19:00

    +++ die Veranstaltung "Leben und Kämpfen in Sachsen" findet um 19 Uhr im Black Pigeon, Scharnhorststraße 50, statt. +++

    100 Jahre Abschiebehaft - Vortrag zur Großdemo am 31.08. in Büren

    Für den 31. August rufen antirassistische Initiativen in Büren zur Großdemonstration gegen Abschiebeknäste auf. Im Vorfeld erfahrt ihr, was geplant ist, was es mit der Geschichte und der Gegenwart von Abschiebehaft auf sich hat.

    Der Aufruf

    2019 wird es mehrere traurige Jubiläen geben:

    Seit 100 Jahren …
    werden Ausländer*innen inhaftiert – nicht wegen einer Straftat sondern nur, um den Behörden ihre Abschiebung zu erleichtern

    Seit 25 Jahren …
    ist in Büren der größte Abschiebeknast Deutschlands, in dem außerdem über die Hälfte der Gefangenen unrechtmäßig inhaftiert ist

    Vor 20 Jahren …
    starb Rashid Sbaai unter nicht endgültig geklärten aber in jedem Fall skandalösen Umständen in Büren!

    Das ist Unrecht – das ist Rassismus!
    Diese Menschenverachtung darf nicht länger fortbestehen!

    100 Jahre unschuldig in Haft!

    Von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart:
    Die zermürbende Praxis der Abschiebehaft stellt eine grausame Tradition in Deutschland dar. Bereits vor 100 Jahren wurden v.a. Jüd*innen, die hier vor Pogromen in Osteuropa Schutz suchten, willkürlich eingesperrt – mit dem Ziel, sie aus dem Land zu vertreiben.
    Mit der von Heinrich Himmler verfassten Ausländerpolizeiverordnung wurde die Abschiebehaft 1938 massiv ausgeweitet.
    Dieses Nazi-Gesetz wurde 1951 von der BRD wörtlich übernommen und erst 1965 überarbeitet. Die Gesetzgebung wurde als Reaktion auf die rassistischen Pogrome Anfang der 1990er Jahren weiter verschärft und erneut massiv zur Anwendung gebracht. Gemeinsam mit der Aushebelung des Grundrechts auf Asyl durch den „Asylkompromiss“ wurde 1993 die Einrichtung der Abschiebehaft in Büren beschlossen.

    Die grundrechtsverletzende Praxis heute:
    Allein der Verdacht, sich möglicherweise einer Abschiebung zu entziehen, reicht aus, um einen Menschen für bis zu 1½ Jahre einzusperren. Haft – der massivste Eingriff in die Freiheit des Einzelnen – wird damit von einer Maßnahme gegen verurteilte Straftäter*innen zu einem simplen Verwaltungsakt gegen Unschuldige. Folglich ist Abschiebehaft heute ein gängiges Instrument der Ausländerbehörden und wird routinemäßig angewandt, um den Behörden eine gemütliche Abschiebung zu ermöglichen. Das ungeheure Elend der Betroffenen wird dabei mitleidlos in Kauf genommen.
    Anwält*innen, die sich regelmäßig mit Abschiebehaft beschäftigen, stellten fest, dass über die Hälfte der Menschen in Abschiebehaft unrechtmäßig inhaftiert waren.
    Betroffenen wird häufig der Zugang zu einem Rechtsbeistand erschwert oder gar verwehrt. Unabhängige Beschwerdestellen oder übergeordnete Kontrollinstanzen existieren nicht. Auch die medizinische Versorgung und psychologische Betreuung wird auf das Nötigste beschränkt. Isolierhaft und Fesselungen sind an der Tagesordnung.
    In Büren führte diese Praxis unlängst im Sommer 2018 erneut zum Suizid eines Gefangenen

    Kein Ende in Sicht:
    Statt sich von einer Praxis mit so einer Geschichte zu verabschieden, soll sie sogar noch ausgeweitet werden:
    25 Jahre nach Eröffnung der Haftanstalt in Büren möchte NRW die Haftbedingungen weiter verschärfen. Bereits jetzt werden die Aufschlusszeiten massiv eingeschränkt und Hilfsorganisationen der Zugang zu den Gefangenen erschwert. Es gibt Kollektivstrafen und Zwangsmaßnahmen, um den Sicherheitskräften ihre Arbeit auf Kosten der Menschenrechte zu erleichtern.
    Auch andere Bundesländer planen Verschärfungen der Haftbedingungen.
    Deutschlandweit werden neue Abschiebehaftanstalten geplant. Allein in Passau soll ein neues “Super”-Gefängnis mit über 200 Haftplätzen entstehen.

    Die praktischen Konsequenzen der Abschiebehaft:
    Rechtswidrige Inhaftierungen, Menschenrechtsverletzungen ohne Aufarbeitung, Brüche von gesetzlich festgelegten Regelungen, Repressionsmaßnahmen ohne Kontrollinstanzen, Isolierhaft und Fesselungen, Trennung von Familien und Zerstörung von Existenzen.
    Es wird daher höchste Zeit, sich von dieser tief ins Dritte Reich verankerten Gesetzgebung und rassistischen Praxis endgültig zu verabschieden.

    Daher verlangen wir:
    Keine Sondergesetze, keine unkontrollierte behördliche Praxis mehr
    Abschaffung der Abschiebehaft
    Sofortige Schließung aller Abschiebeknäste!

    Weitere Infos/ Übersetzungen auf:
    http://100-jahre-abschiebehaft.de/de/buerendemo