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Termin Informationen:

  • Di
    21
    Mrz
    2017

    Hansa Tresen mit Vortrag

    19:00Nordpol

    vortrag-21-03-17

    Vortrag: Selbst- und Weltwahrnehmung Kubitscheks und "seiner" Sezession

    Liest man auf der Internetpräsenz der neurechten Zeitschrift Sezession die Texte Götz Kubitscheks und seiner Mitstreiter verfällt man – gelinde gesagt – schnell in einen Zustand, der im Englischen treffend ‚puzzlement‘ genannt wird. Je vehementer und deutlicher die Autoren dort ihre politische Richtung in die Welt schreiben, desto rätselhafter wird die Frage, warum sie das eigentlich tun und weshalb sie sich darin gerechtfertigt fühlen.
    Kubitschek selbst erklärt in Tristesse Droite, einem 2015 veröffentlichten Gesprächsband, dass der Gegner links des eigenen Lagers (was so Einiges umfassen dürfte) in einer vollkommen andersartigen Welt zu leben scheine. Die Trennung sei so grundsätzlich, dass es ihm so vorkomme als spräche man ganz unterschiedliche Sprachen. Eine Erfahrung, die sich auch vice versa ergibt. Tatsächlich scheint es oft so, als ob uns beiderseits, um auch einen Ausdruck Wittgensteins zu benutzen, ein je eigenes Bild ‘gefangen’ hält, vor dessen Hintergrund es beinahe unmöglich ist, die weltanschaulichen Motive und Begriffe des Gegenübers nachzuvollziehen. Das Problem dieser Hintergrundbilder ist, dass sie fast nie offen artikuliert oder auch nur reflektiert werden.
    Um solcherlei Häftlingstum zu vermeiden, versucht der Vortrag einen Einblick in das hintergründige Weltbild zu geben, das Kubitschek & Co. ihrem politischen Handeln und ihrem Vokabular voraussetzen. Als selten reflektiertes weltanschauliches Fundament stellt sich dabei (zwischen völkischem Nationalismus, autoritären Politikvorstellungen, anti-liberalen Untergangsfantasien und einer skurrilen Nostalgie für das preußische Reich und die Wehrmacht) ein vormoderner, anti-egalitärer und tendenziell rassistischer „Begriff der Würde“ heraus. Im Idealfall soll dieser Vortrag mit der Ausarbeitung dieses Begriffes einen interpretativen Schlüssel zum ‚Gefängnis‘ der Neuen Rechten anbieten.
    Wer schon immer mal hinter die ‚rechtsintellektuellen‘ Kulissen Kubitscheks und seiner Zeitschrift blicken, oder mit den Augen eines verkappten Faschisten die Welt sehen wollte, kommt vorbei. Es gibt günstig Bier.